Spondylolisthesis, auch Wirbelgleiten genannt, beschreibt das
Abgleiten eines Wirbelkörpers aus seiner normalen Position.
Dadurch entsteht eine Fehlstellung der Wirbelsäule, die zu
Schmerzen, Nervenreizungen und Bewegungseinschränkungen führen
kann. Betroffen ist häufig die Lendenwirbelsäule, seltener die
Halswirbelsäule.
Bei der Spondylolisthesis verschiebt sich ein Wirbelkörper
gegenüber dem darunterliegenden Wirbel:
Ventrale Spondylolisthesis:
der Wirbel gleitet nach vorne
Dorsale Spondylolisthesis:
der Wirbel gleitet nach hinten
Diese Fehlstellung kann stabil bleiben oder fortschreiten und
muss daher individuell beurteilt werden.
Wirbelgleiten entsteht durch verschiedene strukturelle
Veränderungen:
1.
Degenerative Spondylolisthesis
- häufigste Form bei Erwachsenen
-
verursacht durch Verschleiß der Bandscheiben und
Facettengelenke
-
tritt bevorzugt bei älteren Patienten auf
2.
Traumatische Ursachen
- Stürze, Unfälle, Frakturen
-
Verletzung des Wirbelbogens oder angrenzender Strukturen
3.
Angeborene (dysplastische) Formen
- Fehlbildungen der Wirbelbögen
- treten oft schon im Jugendalter auf
4.
Überlastungsbedingte Spondylolyse
-
durch wiederholte Überstreckungsbewegungen (z. B.
Turnen, Gewichtheben)
-
kann zur sogenannten isthmischen Spondylolisthesis
führen
Die Klassifikation beurteilt den Versatz des Wirbelkörpers in
Prozent:
Grad 1:
< 25 %
Grad 2:
25–50 %
Grad 3:
50–75 %
Grad 4:
> 75 %
Je höher der Grad, desto größer die Instabilität und desto
relevanter die neurologische Gefährdung.
Je nach Schweregrad und Nervenbeteiligung können auftreten:
tiefsitzende Rückenschmerzen
ausstrahlende Schmerzen in Beine oder Gesäß
Spannungsgefühl oder Steifigkeit im unteren Rücken
Kribbeln, Taubheitsgefühle oder Muskelschwäche bei
Nervenkompression
Zunahme der Schmerzen bei Belastung, Bücken oder längerem
Stehen
In ausgeprägten Fällen kann es zu Gangstörungen oder
Einschränkungen der Gehstrecke kommen.
Zur sicheren Diagnosestellung kombinieren wir:
klinisch-neurologische Untersuchung
Röntgen-Aufnahmen in zwei Ebenen
Funktionsaufnahmen (Stabilitätsbeurteilung)
MRT zur Darstellung von Nerven, Bandscheiben und Weichteilen
CT zur genauen Beurteilung knöcherner Strukturen
Solange keine neurologischen Ausfälle bestehen und die
Beschwerden kontrollierbar sind, steht die konservative Therapie
im Vordergrund.
1.
Medikamentöse Schmerztherapie
- gezielte, angepasste Schmerzmittel
- entzündungshemmende Medikamente
2.
Physiotherapie
-
Kräftigung der Rücken- und Rumpfmuskulatur
- Stabilisationstraining
- Haltungsschulung
- Verbesserung der Beweglichkeit
3.
Rückengymnastik
- regelmäßiges, selbstständiges Training
-
langfristige Stabilisation der Wirbelsäule
-
wichtiger Bestandteil jeder Therapieform
4.
Infiltrationen (bei Bedarf)
- Facettengelenksinfiltrationen
-
Periradikuläre Therapie (PRT) bei radikulären Schmerzen
Konservative Behandlungen sind in vielen Fällen langfristig
erfolgreich.
Eine operative Therapie wird empfohlen bei:
neurologischen Ausfällen (z. B. Schwäche,
Sensibilitätsstörungen)
starken, therapieresistenten Schmerzen
nachgewiesener Instabilität, die zu fortschreitendem
Wirbelgleiten führt
hochgradiger Meyerding-Stufe mit zunehmender Symptomatik
Ziel des Eingriffs ist die Stabilisierung der Wirbelsäule und –
falls notwendig – die Dekompression der Nervenstrukturen.
Mögliche Operationsverfahren:
-
Spondylodese (Versteifung/Instrumentierung)
- Dekompression bei Nervenkompression
-
Kombination aus Stabilisierung + Dekompression
Die Wahl der Methode richtet sich nach dem Schweregrad, den
Beschwerden sowie dem individuellen Patientenprofil.
Als erfahrene neurochirurgische Praxis bieten wir:
präzise Diagnostik
moderne konservative Behandlungen
minimalinvasive Schmerztherapien
operative Versorgung bei komplexen Fällen
Wir beraten Sie gerne persönlich und entwickeln ein
individuelles Behandlungskonzept, um Ihre Beschwerden effektiv
zu lindern und Ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.